Markus Lüpertz im Haus der Kunst München

Veröffentlicht am 20. August 2019, aktualisiert am 20. August 2019 unter Aktuelles, Ausstellungen, Künstler, Markus Lüpertz, Termine

Markus Lüpertz (*1941) zählt zu den zentralen Figuren der deutschen Nachkriegskunst. Seit den sechziger Jahren hat er die moderne Malerei entscheidend mitgeprägt. Das Haus der Kunst in München widmet dem Künstler ab dem 13. September eine groß angelegte Ausstellung. „Markus Lüpertz. Über die Kunst zum Bild“ stellt die Lebenskraft des uralten Mediums Malerei in den Fokus und beleuchtet erstmals den seriellen Charakter in Lüpertz’ bildnerischem Schaffen. Anhand von über 200 Gemälden und Zeichnungen zeigt sie, wie Lüpertz ein auf innere Zusammenhänge basierendes Werk entwickelt hat, das von einer filmischen Sichtweise geprägt ist.


Das Bild als Zeitbegriff

Im Zentrum der Ausstellung steht die Entwicklung einer neuen Seh- und Leseweise der Bilder von Markus Lüpertz. Dieser bestimmte die Negation des Einzelbildes schon seit den frühen sechziger Jahren zur Direktive seiner Kunst. Fasziniert von der zeitlichen Abfolge in Filmen verschrieb er sich seit dieser Zeit einer bevorzugt seriellen Arbeitsweise und erklärt rückblickend: „Ich war fasziniert von der zeitlichen Abfolge eines Films und seiner Form in Tausenden von Bildern. Daß ich ein Bild dreimal oder zehnmal malte, in fast gleicher Gestalt, hatte mit diesem Zeitverlauf des Kinos zu tun. […] Damit öffnete ich das Bild als Zeitbegriff.“


Über die Kunst zum Bild

Werke aus dem Zeitraum zwischen 1963 und 1980 zeichnen die Anfänge dieses künstlerischen Vorgehens nach, darunter unter anderem die Donald-Duck-Serie (1963). In zahlreichen Gemälden und Zeichnungen abstrahierte Lüpertz hier die ungebrochenen Farben der Disney Cartoons, ohne deren illustratives Format oder erzählerischen Zusammenhang zu übernehmen.[1] Einen ähnlichen Ansatz wählte der Künstler für seine berühmten Dithyramben-Gemälde, die ab 1964 entstanden. In den frühen Bildern dieser Serie scheint er die Form des 20th-Century-Fox-Logos interpretiert zu haben.[2]

Ab den 1970er Jahren setzte sich Markus Lüpertz vermehrt mit der deutschen Geschichte auseinander. In den sogenannten „deutschen Motiven“ eignete er sich von der faschistischen Vergangenheit konnotierte Gegenstände wie Stahlhelme, Fahnen, Spaten oder Ähren an und übersetzte sie in ästhetisch erfahrbare Formen. Auch hier nutzte er das Prinzip der Serie, um den gewählten Motiven durch Wiederholung und Variation einen ikonischen Charakter zu verleihen. In vielen Gemälden und Zeichnungen, die zwischen 2000 und 2019 entstanden, finden sich diese Symbole wieder. Sie vereinen scheinbar heterogene Serien zu einem komplex ineinandergreifenden Gesamtwerk und belegen, dass sich Markus Lüpertz mit den Mitteln der Kunst bis heute einem erweiterten Bild-Begriff annähert.

 

Markus Lüpertz. Über die Kunst zum Bild
Ausstellung 13.09.2019 – 26.01.2020 | Haus der Kunst, Prinzregentenstraße 1, 80538 München


[1] vgl. Richard Shiff, Looping, in: Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH (Hg.), Markus Lüpertz. Hauptwege und Nebenwege, Köln 2009, S. 202–219, S. 207.

[2] ebd.

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