RP Online: Günther Ueckers Kunst treibt Blüten

Düren. Das Dürener Leopold-Hoesch-Museum zeigt 42 Zeichnungen zu Versen des persischen Dichters Hafis.

Die Ausstellung „Huldigung an Hafez" im Leopold-Hoesch Museum in Düren. Fotograf: Peter Hinschläger, Aachen

Die Ausstellung „Huldigung an Hafez“ im Leopold-Hoesch Museum in Düren. Fotograf: Peter Hinschläger, Aachen

Hätte Günther Uecker als junger Mann nicht dem Nagel den Vorzug gegenüber dem Bleistift gegeben, um durchschlagender zeichnen zu können, hätte seine internationale Karriere als Nagelkünstler womöglich nicht solch eine Wucht entfaltet. Vielleicht wäre Uecker im Hauptberuf ein anderer geworden, einer, der Verse schmiedet, politische und religiöse Wahrheiten zu Papier bringt, einer, der sich als Poet und Philosoph geriert.

In diesen Tagen, in denen der Künstler auf seinen 88. Geburtstag zusteuert, lässt sich feststellen, dass er das eine zwar in den Vordergrund seines Lebens rückte und bis heute zum Gelingen neuer Bilder einsetzt. Doch jeder, der sein Werk kennt, weiß, dass er andererseits im täglichen Exerzitium die Wucht des Wortes nie außer Acht lässt. So hat Uecker in seinem Atelier stets dicke Stifte und weiße Papierrollen zur Hand, um Notizen – durchaus längeren Ausmaßes – zu machen.

Beide Linien – das Nageln, Malen, Hauen – sowie das schwungvolle Schreiben ziehen sich durch Ueckers Werk wie zwei rote Fäden. Die unerwartet glückliche Verknüpfung dieser zwei Fäden findet nun Ausdruck in einem Ensemble von 42 kolorierten Versblättern, die das Dürener Leopold-Hoesch-Museum bis zum 18. März ausstellt.

Diese Bilder haben viel zu berichten: von dem Künstler und seiner Neugier auf alle Länder und Menschen der Erde einerseits, auch von seiner Begehrlichkeit und hohen Empfindsamkeit. Über das Werk des persischen Mystikers Hafis geben sie andererseits sehr konkret Auskunft, dessen mehr als 700 Jahre altes dichterisches Werk bis heute kaum etwas an Faszination eingebüßt hat. Der Impuls kam Uecker bei seiner ersten Iran-Reise. Auf Hafis‘ Verse stoßend, rief er wie elektrisiert aus: „Was habt ihr mit mir angestellt?“ Glückseligkeit habe er damals empfunden, berichtete er nach seiner Heimkehr, und: „Sobald ich das las, musste ich auch malen.“

Zwei Jahre hat Uecker an seiner Hafez-Mappe gearbeitet, die eine Huldigung ist. Hafis‘ Vermächtnis trieb den Künstler zu 42 Postulaten, die er „Bildempfindungen“ nennt. Ein Mittler von Welt und Sprache war ihm Afshin Derambakhsh, Kollege von Verleger Till Breckner. Die Männer schleppten sogar Erde aus Hafis‘ Garten ins Düsseldorfer Atelier. Diesen Sand meint man bei einigen Motiven noch knirschen zu hören, obwohl man auf handgearbeitete plastische Drucke schaut.

Sparsam hat Uecker manche Bildfläche bearbeitet, ohne Text gelassen wie den Kreis in Oliv oder die zitronengelbe Sonne. Virtuos hat er Variationen auf Papier gesetzt, darunter reliefartige Nageldrucke. In tiefem Rot erscheint die persische Schrift. Opulent werden andere Flächen bemalt, rhythmisiert, beschriftet. Übermütig treibt Uecker aus Zäsuren zarte Blüten. „Es lebt, wenn du nach mir verlangst, fürwahr ein schöner Wahn in dir“ – so geht Hafis‘ Text, den er hellblau grundiert und mit grünen tanzenden Blättern überzieht. Alle Farben entsprechen den Tönen des Iran. Uecker bringt die Seelen hier und dort zum Klingen, verbindet Welten.

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