Günther Uecker: „Huldigung an Hafez“ in Shiraz, Iran

Günther Uecker, der Brückenbauer zwischen den Welten, läßt schon seit den 70er-Jahren Textvorlagen aus der Weltliteratur in seine Werke einfließen. Mit skriptoralen Arbeiten wie „Laos – Zum Schweigen der Schrift“ (1974) „Briefe an Peking“ (1994) oder „Wort-Schrift-Zeichen (Habermas-Texte)“ (1999) hat er eine formal neue Sprache entwickelt. Gleichzeitig nimmt er auch Stellung zu politisch-gesellschaftlichen Themen seiner Zeit.

Im vergangnen Jahr ist Günther Uecker noch einen Schritt weitergegangen und hat sich mit einem der bedeutendsten persischen Dichter auseinandergesetzt. In seinen „Huldigungen an Hafez“ überträgt der Maler die poetische Sprache der Verse von Hafez in von Farbe und Rhythmus geprägte Bildwelten. Diese grafischen Arbeiten hat der Düsseldorfer Künstler vor kurzem erstmals im Hafez Garten im persischen Shiraz ausgestellt, dem Heimatort des Dichters Hafez. Damit feiert Günther Uecker gerade in einer Zeit, in der der Orient durch die Attentate islamistischer Fanatiker in Misskredit geraten ist, die hohe Kunst der morgenländischen Literatur.

Im Werk von Günther Uecker, der seit den 60er-Jahren vor allem durch seine gerasterten, gestisch wilden und rhythmisch bewegten Nagelwerke berühmt wurde, gibt es seit den 70er-Jahren einen zweiten Werkstrang: die Verwandlung von Texten in geschriebene Bilder. In jener Zeit begann Ueckers ausgedehnte Reisetätigkeit in außereuropäische Länder und sein wachsendes Interesse für fremde Kulturen. „Dabei entdeckte er nicht nur die in diesen Kulturtraditionen wurzelnde Kraft, sondern auch ihre Gefährdung“, schrieb der Kunsthistoriker Alexander Tolnay 2005. Deshalb sind die Werke Günther Ueckers auch nicht richtend oder anklagend, sondern als Plädoyer für die Wahrnehmung fremder Kulturen zu verstehen. Das gilt auch für seine Serie der Huldigung an den persischen Dichter Hafez. Indem Günther Uecker seine Sicht auf den Dichter in dessen Geburtsort Shiraz präsentierte, brachte er auch ein kleines Stück westlicher Kultur in ein Land, das sich derzeit wieder gerade dem Westen zu öffnen scheint.

Der im Orient hochverehrte Hafez gehört zu den bedeutendsten persischen Dichtern und Mystikern. Obwohl die Kunst des 1320 in Shiraz geborenen und vermutlich auch dort gestorbenen Lyrikers nun schon 700 Jahre alt ist, hat sie ihre Anziehungskraft für nachfolgende Dichtergenerationen nicht verloren.

Berühmt ist Hafez’ Wirkung auf Johann Wolfgang von Goethe. Der Weimarer Dichterfürst war so beeindruckt von dessen Dichtkunst, dass er fürchtete, „vor dieser mächtigen Erscheinung nicht bestehen zu können“. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Hafez Einfluss auf Goethes West-östlichen Divan“ hatte. Und das auch buchstäblich: denn auch Hafez’ bekanntestes Werk trägt das Wort Diwan im Titel.

„Der Diwan“ enthält mehrere Hundert Gedichte. Zu ihren Themen gehören Motive wie Liebe, Sehnsucht und Schönheit. Darüber hinaus spielen in seiner Dichtung auch das Religiöse und die Verehrung des Göttlichen (Allahs) eine wesentliche Rolle.

Günther Uecker „übersetzte“ diese Dichtung in Blätter mit einer eigentümlich sinnlichen Präsenz: „Den Dichter auf seinen Wegen zu begleiten, die Wörter werden zu Farben, bekränzen ihn und seine wundersamen Verse. In Farben getaucht die Blätter und Ranken , geschriebene Bilder, jubelnd im Gesang, im Lebenstaumel erstrahlen die Wörter, Visionen der geschichtlichen Gegenwart“, sagt Günther Uecker über seine eigenen Blätter .

Ab 16. Juni bis zum 14. August ist Günther Ueckers 42-teilige Serie „Huldigung an Hafez“ im Schloss Wolfenbüttel zu sehen. Die Eröffnungsveranstaltung wird in der Herzog-August-Bibliothek stattfinden.

 

 

 

 

 

 

 

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