Iranische Künstler huldigen Uecker

Veröffentlicht am 30. September 2020, aktualisiert am 02. Oktober 2020 unter Aktuell, Aktuelles, Günther Uecker

Iranische Künstler huldigen Uecker – In der Galerie Breckner stellen acht Bildhauer ihre Werke vor, die Bezug auf den im Iran gefeierten Hafez Zyklus nehmen.

Es ist Günther Ueckers Geheimnis, wie er mit seinem politisch aufgeladenen Werk ausgerechnet im unfreien Iran landen konnte. Und mehr als das: vom Volk gefeiert und von Offiziellen empfangen wurde.

Schon oft hat der 90-Jährige in der Islamischen Republik Kunst gezeigt, in sieben Städten allein seinen derzeit in Düsseldorf ausgestellten Hafez-Zyklus. Wenn auch die 42 Arbeiten nicht explizit politisch sind, stehen sie doch für Haltungen. „Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen“ dieses Künstler-Statement wird in fast jeder Rede wiederholt. „Huldigung“ ist ein weiteres Hauptwort im Uecker-Vokabular, wenn er von seiner künstlerischen Paraphrase des Hafez-Zyklus erzählt, in dem er die vor 600 Jahren verfassten „Goldenen Worte“ des persischen Dichters verarbeitet.

Wanderausstellung im Iran

Günther Uecker huldigt Hafez. In der Folge „huldigen“ acht zeitgenössische Bildhauer Günther Uecker. Das Wort klingt altmodisch, die Kunst ist es nicht. In den beiden Galerieräumen bei Till Breckner sind parallel zur Hafez-Schau im Goethe-Museum Skulpturen zu sehen, die zeigen, wie weite Kreise Ueckers Projekt der Völkerverständigung zieht. Vor Ort im Iran unterwegs, hatte er die Künstlerschaft in jeder Stadt, die er besuchte, kennengelernt, in Schiras oder Teheran, in Isfahan oder Kisch. Dank Afshin Derambakhsh, der Projektmanager, Begleiter und Übersetzer ist, gab es einen regen Austausch, den Uecker intendiert hatte, denn er versteht seine Iran-Aktivitäten auch als Manöver des kulturellen Miteinanders. Er forderte die offene Begegnung, das Sprechen von Angesicht zu Angesicht, die Menschen müssten sich stellen, damit der Dialog nicht versiege. Diese Botschaft kam an und wirkte auf die von einer Kuratorin ausgesuchten Künstler ein.

Kunstbeiträge von 8 iranischen Künstlern

Formal streng sind die meisten Arbeiten, aber ästhetisch ansprechend, sinnlich und in ihren Anspielungen hintergründig. Aus Menschenhaar hat Shariyar Rezaei eine Schnur des Lebens hergestellt, drei Frauenzöpfe werden es sein, die in einer gefährlichen Metallspitze gebündelt sind und auf ein rostiges Fundament fallen. „Ich Atme, also bin ich“ hat Mohamadreza Yazdi seine kinetische Versuchsanordnung genannt, eine hängende Skulptur, die sich im Rhythmus der Atmung bewegt. Aus schlichten Blechdosen hat Ali M. Soofiani eine dynamische Bodenarbeit geschaffen, die mit der Bedeutung des Gefäßes spielt, das gleichzeitig das ganze Universum sein kann. Immer noch lebendig ist der Baum, aus dem Farzad Dashtizadeh eine vollkommene Bildhauerarbeit der Dualität schuf. Zum tiefen Nachdenken bringen den Betrachter die schwarzen „Robben“ von Arefeh Arad, die ihr Geheimnis nicht preisgeben – vielleicht sind die Fransen Haare und weisen auf den aus Seide mit der Hand genähten Monstren auf Menschen hin? Das Unausgesprochene wird im Iran besser beherrscht als das Vordergründige. Bei Babak Montazeri wiegen sich die Liebenden im Wind – ein schwarzes, filigranes Figürchen macht das möglich. Handwerklich traditionell dagegen die Keramikfiguren von Morteza Tarassoli, die größen- und kräftemäßig die Frauen über die Männer erheben, was als Ungeheuerlichkeit gilt. Verschwiegen und eindringlich lockt das steinerne Verlies der Neda Ayati, das sie aus Beton und verrosteten Eisenstäben zu einem Memento Mori umformte. Vielleicht ein Sinnbild des Verlustes (durch Unfreiheit) mit Hoffnungsschimmer (dank Kunst) – denn innen leuchtet schwach ein Licht.

So ergibt sich derzeit aus der Route vom Goethe-Museum durch die Ratinger Straße eine erbauliche Kunst-Exkursion.

Ein Artikel von Annette Bosetti, erschienen in der Rheinischen Post vom 30.09.2020

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