Einzelausstellung Otto Piene “Die Sonne kommt näher”

Veröffentlicht am 22. Januar 2020, aktualisiert am 24. September 2020 unter Aktuell, Aktuelles, Ausstellungen, Otto Piene, Termine

Mit der großen Einzelausstellung Otto Piene Die Sonne kommt näher ehrt das Museum Haus Konstruktiv in Zürich einen der größten Avantgardisten des 20. Jahrhunderts. Neben den Elementen Feuer und Luft, widmete der deutsche Künstler sein Lebenswerk vor allem dem kosmischen Licht.

Otto Piene, Light and Air, Installationsansicht, Langen Foundation, 2014. (Detail) © 2020, ProLitteris, Zürich; Otto Piene Estate / Sprüth Magers, Berlin

Elementare Kunst

“Die Sonne kommt näher” durch die frühen Raster-, Rauch- und Feuerbilder, in denen sich Otto Piene neben der Lichtenergie auch mit den elementaren Eigenschaften von Feuer und Luft beschäftigt. Diese experimentellen Bilder verbinden das, was bis dahin unvereinbar schien: Kunst und Wissenschaft.

Piene ist fasziniert vom Blick in den Himmel, von der zerstörerischen, zugleich lebenspendenden Kraft des Universums. Seine Werke beschreibt er deshalb als “[…] Spiegel, von denen Kräfte auf den Menschen übergreifen, Ströme, die sich frei im Raum entfalten, die nicht ebben, sondern fluten.”[1]

An glühende Sterne, pulsierende Planeten oder verkohlte Meteoriten erinnern insbesondere die energiegeladenen Feuerbilder des Künstlers. In ihnen bannt er die Urkraft des Kosmos in (s)einer irdischen Ausdrucksform — Die Ausstellung in Zürich verspricht Phänomenales.

Expansion in die Unendlichkeit

Als erste Bedingung für die Sichtbarkeit von Raum und Materie erkundet Piene das Licht in seinen präzise choreografierten Lichtballetten. In kinetischen Installationen also, in denen Licht durch rotierende, mit Spiegeln versetzte Objekte dringt und durch perforierte Wände in den abgedunkelten Raum scheint. Hier durchflutet der Schein das Dunkel, offenbart die Grenzen des Raumes, nur um diese durch “allseitige Expansion”[2] wieder zu verschieben und aufzulösen.

Diese Idee der Grenzüberschreitung überträgt Otto Piene wenige Jahre später in die unendliche Weite des Himmels. Dazu entwickelt er, zunächst für den Außenraum bestimmte, aufblasbare Skulpturen, die in rhythmischen Abständen mit Luft gefüllt werden, um dann wieder in sich zusammenzusinken. Von Kunst- oder Sonnenlicht angestrahlt, scheinen diese meist bunten, an Blumen oder Sternschnuppen erinnernden Formen eigenständig zu atmen. “Inflatables” nennt Otto Piene diese fantastische Anschauung von Luft, die auch im Museum Haus Konstruktiv erfahrbar sein wird.

Otto Piene 2014, Foto: Daniel Biskup

Otto Piene

Otto Piene (1928 in Bad Laasphe–2014 in Berlin) studiert zunächst an der Akademie der Bildenden Künste in München, später an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf. 1957 absolviert er ein Philosophiestudium an der Universität zu Köln. Gemeinsam mit Heinz Mack gründet er 1958 die Künstlergruppe ZERO, zu deren Mitgliedern ab 1961 auch Günther Uecker zählt. Gemeinsam propagieren sie in zahlreichen Ausstellungen und Happenings die Stunde Null in der Kunst. Drei Jahre nachdem Piene nach New York übergesiedelt ist, wird er 1968 auf Einladung von György Kepes Stipendiat des neu gegründeten Center of Advanced Visual Studies (CAVS) am berühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Ab 1974 übernimmt er die Leitung der Forschungseinrichtung, die noch heute für die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Naturwissenschaften und Kunst bekannt ist. Otto Piene verstirbt am 17. Juli 2014 in Berlin.


Die Einzelausstellung Otto Piene im Museum Haus Konstruktiv wird kuratiert von Sabine Schaschl.
Weitere Informationen finden Sie hier.

Otto Piene. Die Sonne kommt näher
Ausstellung 6.2.–10.5.2020 | Museum Haus Konstruktiv, Selnaustrasse 25, 8001 Zürich


[1] Otto Piene, Wege zum Paradies, in: ZERO 3, 1961. Neu abgedruckt in: Peter Weibel/Andreas Beitin/Philipp Ziegler (Hg.), Otto Piene. Energiefelder, Ausst.-Kat. ZKM, Nürnberg 2013, S. 62–66, S. 63.

[2] ebd., S. 66.

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