50 Jahre Mondlandung. Exkurs in die Raumfahrt

Veröffentlicht am 09. Januar 2019 unter Aktuell, Aktuelles, Künstler, Paul Van Hoeydonck

Zur Jahreswende 2019 beeindruckt die internationale Raumfahrt mit sensationellen Nachrichten aus dem All und fasziniert Millionen von Menschen mit einer Reihe astronomischer Premieren. Wie vor 50 Jahren, als der erste Mensch einen Fuß auf den Mond setzte. Zum Jubiläum dieses Jahrhundertereignisses feiert die Galerie Breckner die Pioniere der Raumfahrt mit einer Ausstellung zu Paul Van Hoeydonck unter dem Motto Man in Space.

Ultima Thule, 2018 © NASA | Johns Hopkins University APL, Southwest Research Institute

Nichts hat das Universum an Faszination verloren, seit Neil Armstrong und sein Team der Apollo 11 mit der ersten Mondlandung 1969 eine ganze Generation prägte. Der Deutsche Alexander Gerst kommandierte fast 200 Tage die internationale Raumstation ISS und der noch sehr jungen Raumfahrtnation China gelang mit ihrer Landung auf der dunklen Seite des Mondes ein bemerkenswerter Meilenstein. Chang’e 4, benannt nach einer Mondgöttin der chinesischen Mythologie, setzte am 3. Januar trotz größter technischer Herausforderungen so sanft wie eine Feder auf dem funkstillen Teil des Mondes auf.

Im Vorbeiflug, aber ohne Landung, schoss die NASA-Sonde New Horizons am Neujahrstag 2019 spektakuläre Aufnahmen von Ultima Thule, dem bisher erdfernsten und vermutlich ältesten untersuchten Himmelsobjekt in unserem Sonnensystem. Damit stellt die NASA, das Urgestein der internationalen Weltraumorganisationen, einen neuen Rekord auf. Denn erst die 2006 zum Pluto entsandte Sonde machte es nun möglich, dass wir Menschen eine verbindliche Aussage über ein Objekt treffen können, das rund 6,5 Milliarden Kilometer von unserem Heimatplaneten entfernt liegt. Eine Sensation in Form einer Erdnuss, der schon das nächste ambitionierte Vorhaben der US-Raumbehörde folgt: Noch im kommenden Jahr 2020 soll eine zunächst unbemannte Rover-Mission zum roten Planeten Mars starten.

Warum der Mensch nach dem Fernen strebt erklärt sich aus seiner Geschichte. Denn seit wir in der Lage sind zu denken, stellen wir uns drei entscheidende Fragen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was war vor uns? Mit der Evolution des menschlichen Geistes potenzieren sich auch die möglichen Antworten auf dieses Problem. Eine universal gültige, kultur- und religionsunabhängige Antwort kann deshalb nur die Wissenschaft geben. Extraterrestrische Forschung und Raumfahrt entfalten sich deshalb zu den Hoffnungsträgern der Aufklärung jener scheinbar banalen Fragen. In einem kurzen Abriss der Menschheitsgeschichte erklären wenige doch nicht weniger wesentliche Meilensteine das Ergebnis dieser Entwicklung.

Die aufgehende Erde, 1971 von Alfred Worden, dem Piloten der Kommandokapsel von Apollo 15, auf dem Weg in die Umlaufbahn des Mondes aufgenommen          © NASA | Archive Danny Van Hoecke

Seit Anbeginn benutzen die Menschen ihre Augen, um die sie umgebende Welt zu beobachten. Der Blick in den Sternenhimmel fasziniert sie seither und schon der Cro-Magnon-Mensch entwarf gegen Ende der Eiszeit ein ziemlich genaues Bild über die Mondzyklusphasen in der Höhle von Lascaux. Gebannte Augenpaare blickten über Jahrtausende hinweg in den Himmel, nur um die Bewegungen der Gestirne zu verfolgen.

Häufig brachten sie das, was sie sahen, in Verbindung mit den Ereignissen auf Erden und sahen in den Sternen das Gesicht des Göttlichen. Mit den Maya-Kalendern erreichte das Verständnis über die Objekte am Firmament ein weit komplexeres System, blieb jedoch den Riten ihres Glaubens verhaftet. Im 5. Jh. v. Chr. prägten die Griechen das geozentrische Weltbild, das die Erde im absolutem Zentrum annimmt. Und Obwohl schon Aristarchos von Samos im 3. Jh. v. Chr. das heliozentrische Weltbild vertrat und durch Winkelvermessungen bei Mondfinsternis den Durchmesser der Erde errechnete, leitete erst Nikolaus Kopernikus (1473-1545) die Wende zur Annahme der Sonne im Zentrum des Kosmos. Dann endlich, zu Beginn des 17. Jahrhunderts, beweist Galileo Galilei die kopernikanische Idee mittels teleskopischer Untersuchungen, die ihm die berühmten Worte Und sie bewegt sich doch! entlockt haben sollen. Nun empirisch belegbar, befördert er die Vermutung zu dem Wissen, dass die Sonne unser Zentralgestirn ist. Joseph von Fraunhofers Erfindung des Spektrografen 1814 leistete Pionierarbeit für die Entwicklung neuer astronomischer Techniken. Diese verhalfen Wissenschaftlern wie Edwin Hubble zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu der revolutionären Erkenntnis, dass das Weltall expandiert und unsere Galaxie nur ein Sandkorn in einem Meer dergleichen ist – die Urknall-Theorie war geboren. Mit der Allgemeinen Relativitätstheorie gelingt Albert Einstein 1915 eine zusätzliche Jahrhundertentdeckung, über deren Nachweis im wissenschaftlichen Detail sich die Klügsten noch heute den Kopf zerbrechen. Auch durch Einsteins Geniestreich eröffneten sich gänzlich neue Wege der Physik. Sie inspirierten Stephen Hawking nicht einmal ein halbes Jahrhundert später zu den wichtigsten Erkenntnissen über schwarze Löcher unserer Zeit, anhand derer man Rückschlüsse auf das Sein vor dem Urknall ziehen kann.

Start der Apollo-15-Rakete am 26. Juli 1971 mit David Scott, Alfred Worden und James Irwin an Bord, Kennedy Space Center, Cape Canaveral, Florida/USA                  © NASA | Archive Danny Van Hoecke

Durch die immer rasanter sich entwickelnden Meilensteine der Naturwissenschaften, sind auch die Sprünge in der Raumfahrtgeschichte enorm. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der erste sowjetische Satellit Sputnik 1 erst 1957 in die Erdumlaufbahn geschossen wurde. Seitdem potenzierte sich das Tempo, mit dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit die technische Erforschung des Weltraums antrieben. Auf den künstlichen Trabanten von ’57 folgte deshalb schon vier Jahre später der erste Mensch im All: Juri Gagarin, der am 12. April 1961 die Erde für knapp 108 Minuten umkreiste. Im Wettstreit nicht nur um die kosmonautische Vorherrschaft übertrumpfte die USA dem russischen Erfolg prompt mit dem ersten bemannten Flug zum Mond. Vor den Augen unzähliger Fernsehzuschauer landete die legendäre Apollo-11-Rakete am 20. Juli 1969 auf dem sandigen Boden des Erdtrabanten.

Noch heute erinnern sich die Menschen an diesen epochalen Moment und rezitieren wie ein Mantra That’s one small step for (a) man, one giant leap for mankind, wie Neil Armstrong bei seinem ersten Schritt auf dem Mond verkündete. Bis 1972 folgten insgesamt sechs erfolgreiche Mond-Missionen des Apollo-Programms mit insgesamt zwölf Wanderern auf unserem Nachbarplaneten. In dieser Pionierzeit der bemannten Raumfahrt erhielt der belgische ZERO-Künstler Paul Van Hoeydonck (*1925 Antwerpen) die einmalige Chance, ein Kunstwerk auf den Mond bringen zu lassen. Am 2. August 1971 legte die Besatzung der Apollo 15 die Aluminiumfigur unweit ihres Landeplatzes ab. Seitdem ist Van Hoeydonck der weltweit einzige mit einem Kunstwerk auf dem Mond vertretene Künstler.

 

 

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