Kunstwerk: Markus Lüpertz – Susanna

Markus Lüpertz – Susanna
2015
Bronze, handbemalt, nummeriert und monogrammiert
48,0 x 14,5 x 16,5 cm
45 Exemplare zzgl. E.A.

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Man kann sie wehrhaft darstellen wie Artemisia Gentileschi (1610), ängstlich-verschreckt wie Anthonis van Dyck (1626) oder als fromme, tugendhaft reine Frau wie der Belgier François Duquesnoy (1630–1633) in seiner Skulptur für die Kirche Santa Maria di Loreto in Rom. Man kann die Geschichte der Susanna, Ehefrau des Jojakim, eines reichen Mannes aus Babylon, die von zwei alten Richtern bedrängt und, da sie deren lüsternen Avancen standhielt, von diesen fälschlich des Ehebruchs bezichtigt und mit dem Tode bedroht wurde, aber auch als Teil der Rechtsgeschichte erzählen. Nicht zuletzt versteckt sich in der Erzählung der Susanna auch noch eine nicht unbedeutende erotische Komponente. Doch unabhängig davon, aus welcher Richtung der Blick auf diese Geschichte fällt, die als „Rettung der Susanna durch Daniel“ zu den Zusätzen des Danielbuchs, nicht jedoch zu den Legenden zählt (sie findet sich in der griechischen und lateinischen, aber nicht in der hebräischen Bibel, vor allem die Erwähnung des Daniel, der Name bedeutet „Gott verschafft Recht“, dürfte Grund für ihre Aufnahme in den biblischen Kanon sein), stets steht eine Frau, die ohne eigenes Zutun zuletzt nur ob ihres Aussehens und Tugend zu Unrecht verleumdet wurde, im Zentrum jeglicher Erzählung.

Markus Lüpertz hat für seine „Susanna“ nun zunächst eine genuine formale Lösung gefunden. Weder stellt er die Belästigung noch die darauffolgende Reaktion, weder die Tugendhaftigkeit noch gar die Erotik der Erzählung in den Vordergrund. Seine „Susanna“ zeigt kaum Verführerisches, sie offenbart hingegen viel Bodenständigkeit und präsentiert sich im Formenspiel verwandter Lüpertz’scher Bildhauerarbeiten wie „Daphne“, „Aphrodite“ oder „Fortuna“ eher kraftvoll als graziös. Ihre Haltung ist abwartend aber keineswegs verkrampft. Deutlich lassen sich Stand- und Spielbein erkennen, was zuvorderst von Sicherheit, vor allem aber einer beherrschten Situation zeugt – im Kontext der Erzählung ist dies eine völlig neue Lesart. Ein interessantes Detail verbirgt sich im Gesicht der „Susanna“, das, beinahe maskenhaft an den Hals angesetzt, tatsächlich zwei Seiten hat: von links betrachtet wirkt es klar definiert, scheint den Betrachter frontal anzublicken, während es von rechts gesehen beinahe ein wenig eigensinnig (kokett?) sich diesen Blicken entzieht. Das janusköpfig zu nennen wäre sicher zu viel, doch erliegt Markus Lüpertz einmal mehr für eine seiner Bildfindungen nicht gängigen Mustern und tradierten Interpretationen, sondern erschafft durch solche kleinen Details einen eigenständigen Kosmos, der die Wahrheit des Motivs und seiner Überlieferung nicht schmälert indes für eine differenziertere auch realistischere Aneignung dessen steht, was wahr sein kann und soll.

Markus Lüpertz ist mit „Susanna“ ein kleines Meisterwerk zeitgenössischer Bildhauerkunst gelungen: auf dem Boden klassischer Formen und biblischer Erzählungen entstand eine moderne, die komplizierte Einheit von Form und Wahrheit demonstrierende Figur.

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