Jeff Koons Kiepenkerl – Skulptur Projekte Münster

Veröffentlicht am 07. Juli 2026, aktualisiert am 10. Juli 2026 unter Aktuell, Aktuelles, Jeff Koons

Jeff Koons und der Kiepenkerl… Der legendäre Ausstellungsmacher und Kurator Kasper König hat im Rheinland gemeinsam mit Klaus Bußmann 1977 die Skulptur Projekte Münster ins Leben gerufen, die seither alle 10 Jahre zu einer bahnbrechenden und international vielbeachteten Bestandsaufnahme der Gegenwartskunst im öffentlichen Raum geworden sind. Neben zahlreichen anderen amerikanischen Künstlern wie Judd, Andre, Naumann und Serra wurde die Einladung zur Teilnahme an den Skulptur Projekten im Jahr 1987 für den 32jährigen Jeff Koons zum Wendepunkt und endgültigen Durchbruch in Europa.

Jeff koons Skulptur

Jeff Koons hatte bereits eine sehr persönliche Verbindung zu Deutschland, wo er von Mitte der 1980er bis Anfang der 1990er Jahre Zeit verbracht hat, um in München zu arbeiten und dort zahlreiche Kunstwerkstätten zu nutzen. Münchens Energie und kulturelle Vielfalt haben den Künstler zum Beispiel zu seiner „Banality-Serie“ inspiriert, für deren Umsetzung er in einen intensiven Dialog mit deutschen Traditionen eintauchte.

In diese Serie der banalen Objekte, die seine Readymades ablöste, reiht sich auch Koons‘ Beitrag zu den Skulptur Projekten Münster ein und greift ein historisch überliefertes, folkloristisch verankertes Motiv der Region, den Kiepenkerl, auf. Die praktische Arbeit in der Gießerei an der Skulptur Kiepenkerl war nicht zuletzt wegen einer Panne, die das aufwendige Zusammensetzen einzelner Teile erforderte, eine Zäsur und ein Momentum grenzenlosen Befreiung für die Entwicklung des Künstlers. Der typische Kiepenkerl wanderte noch bis in 1920er Jahre als Kleinhändler mit seinem großen Rückenkorb, der Kiepe, durchs Münsterland und überbrachte als gerngesehener Mittler zwischen Stadt und Land auch Briefe und Neuigkeiten. Der Bildhauer August Schmiemann (1846-1927) aus Münster schuf das Kiepenkerl Denkmal 1896 aus Stein, 1945 wurde es von amerikanischen Soldaten bei Schiessübungen zerstört, 1953 als Bronzestatue wieder aufgestellt. Der Kiepenkerl steht mitten in der Altstadt von Münster ist ein sehr beliebtes lokales Wahrzeichen der Stadt.

In einer Geste der blendenden Übertreibung ersetzt Koons den Kiepenkerl durch eine silberne Hochglanzkopie, die nicht von der Größe des Originals abweicht sondern in einem gigantische Materialaufwand aus glänzenden rostfreiem Chromstahl ausufert und den Konsum in einer zeitgenössischen Luxusversion feiert. Der glänzende Kiepenkerl soll das Versprechen auf etwas Neues sein, die Bereicherung und das Gefühl des Zusammengehörens, das dieses Neue mit sich bringen kann. Koons transformiert ein nostalgisches Symbol aus der guten alten Zeit in ein kaltes ultramodernes Objekt, dessen luxuriöse Aura von allen gleichberechtigt rezipiert werden kann.

Für Jeff Koons ist der Kiepenkerl „eine Figur, die ein Gefühl wirtschaftlicher Unabhängigkeit in der Bevölkerung widerspiegelt und somit einen politischen Zweck erfüllt.“ Koons fühlte sich durch die Profession des Kiepenkerls an seine eigene Kindheit erinnert, als er in der Nachbarschaft Süßigkeiten und andere Dinge von Tür zu Tür verkaufte und dadurch Einblicke in das Leben anderer Menschen erhielt. Wie kein anderer zeitgenössischer Künstler spürt Jeff Koons die grenzenlosen Möglichen, alltägliche Erfahrungen in spirituelle und sinnliche Momente zu transzendieren, in der Konsumkultur und ihren historischen Referenzen auf und treibt sie in absoluter Perfektion auf die Spitze des Begehrens. Bei dem aktuell entstandenen „Jeff Koons Portrait“ bezog der Künstler sich erneut auf die Figur des Kiepenkerl.

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