Katharina Sieverding Schloss Moyland – Als Bühnenbildnerin ausgebildet, verlor Katharina Sieverding schon früh jede Angst vor dem großen Format, als Studentin von Joseph Beuys übte sie sich darin, ihre schöpferische Energie konsequent für politische Belange einzusetzen. Und als Fotografin reizte sie gekonnt die vielfältigen technischen Möglichkeiten des Mediums aus.

Katharina Sieverding
Schichtseite nach unten VIII 1971/2007, 2007
Farbfotografie
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: Klaus Mettig
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Die Ausstellung im Museum Moyland erweitert nun die öffentliche Wahrnehmung des Werks der Künstlerin um weitere Facetten. Ein Aspekt der Gegenüberstellung von Beuys und Sieverding konzipierten Ausstellung ist es, die politischen und gesellschaftlichen Themen der beiden Künstlerpersönlichkeiten während der 1970er Jahre an der Düsseldorfer Kunstakademie zu erkunden. Anhand von Zeichnungen und Fotos wird dokumentiert, inwieweit sich Beuys und Sieverding ihres gewählten Images bedienen, um ihre Selbstinszenierung über Kleidung zu vermitteln und somit einen ikonischen Status als Künstler und Künstlerin zu erreichen.
In der neuesten Filmarbeit Eigenbewegung von Katharina Sieverding versammelt die Künstlerin aus der gleichnamigen 233-teiligen Fotoarbeit von 1969 alle wesentlichen prägenden Wegbegleiter jener Jahre an der Düsseldorfer Kunstakademie wie Joseph Beuys, Imi Knoebel, Blinky Palermo und Jörg Immendorff.
Sieverdings Kunst bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft, dabei nutzt die Künstlerin häufig das Prinzip der Montage, um Transformationsprozesse anzuregen. Sie appelliert an die Verantwortung des Einzelnen im Kontext des Politischen. Medienbilder, wissenschaftliche Aufnahmen und allen voran Selbstporträts nutzt die Künstlerin für ihre vielschichtigen Serien, die stets das aktuelle Zeitgeschehen kommentieren und Fragestellungen nach sich ziehen. Eindeutig sind ihre Arbeiten nicht, sie oszillieren zwischen dem Dargestellten und Imaginierten, zwischen Betrachtung und Partizipation. Als eine der herausragenden weltweit erfolgreichen Künstlerinnen hat Katharina Sieverding schon früh die Macht der Bilder und ihrer Selbstportraits für ihre Arbeit erkannt und auf neuem Terrain der Fotografie weiterentwickelt. Die Ideen des Gesamtkunstwerks und die monumentale Serialität sind nur zwei Aspekte im Werk einer Künstlerin, die über Dekaden hinweg „cool“ und relevant geblieben ist. Nach ihrer Überzeugung ist „Fotografie keine Dokumentation, keine Erinnerung, keine Geschichte.“ Damit positioniert sich Katharina Sieverding gegen die vermeintliche Oberflächlichkeit des Mediums Fotografie, die sie in ihren Arbeiten historisch, politisch und persönlich auf eine neue Bedeutungsebene erhebt.
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