Günther Uecker Zwischen den Welten: Feuer, Wasser, Erde und Luft – die elementaren Kräfte der Natur begleiten das Werk von Günther Uecker über mehr als sechs Jahrzehnte. Die Ausstellung „Zwischen den Elementen. Günther Uecker und die Natur“ in der Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin widmet sich einem zentralen und zugleich besonders poetischen Aspekt seines künstlerischen Schaffens.

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Ueckers Verhältnis zur Natur ist eng mit seiner Biografie verbunden. Aufgewachsen an der Ostseeküste Mecklenburgs, erlebte er bereits als Kind die unmittelbare Kraft von Wind, Wasser, Licht, Erde und Feuer. Die Landschaft um Wustrow wurde zu einem prägenden Ort, an den der Künstler immer wieder zurückkehrte. Die elementaren Erfahrungen dieser frühen Jahre fanden später Eingang in eine Kunst, die Natur nicht lediglich abbildet, sondern sie als unmittelbares Gegenüber und aktiven Bestandteil des künstlerischen Prozesses begreift.
Bereits in seinen frühen Aktionen überschritt Uecker die Grenzen des klassischen Kunstwerks. In Arbeiten wie Weißer Wald oder Flämische Landschaft wird die Landschaft selbst zum Schauplatz künstlerischer Handlung. Erde, Sand, Steine, Feuer und Wind treten an die Stelle traditioneller Materialien. Der Künstler greift in die Natur ein, setzt sich ihren Kräften aus und hinterlässt Spuren – häufig nur für einen kurzen Augenblick.
Gerade diese Vergänglichkeit ist charakteristisch für Ueckers Werk. Aktionen wie Feuerblume, Schleifender Stein oder Schlagstein existieren heute vielfach nur noch durch fotografische und filmische Dokumentationen. Der flüchtige Moment wird zum Kunstwerk und verweist zugleich auf die grundsätzliche Frage nach Dauer, Veränderung und Erinnerung.
Im Laufe seines Schaffens gewinnt die Auseinandersetzung mit der Natur zunehmend an gesellschaftlicher und existentieller Bedeutung. Die Erfahrung von Umweltzerstörung und insbesondere die Katastrophe von Tschernobyl finden ihren Niederschlag in den sogenannten Aschebildern. Natur erscheint hier nicht mehr als unerschöpflicher Lebensraum, sondern als verletzliches System, dessen Zerstörung unmittelbar mit der Existenz des Menschen verbunden ist.
Die Ausstellung in Schwerin verbindet diese unterschiedlichen Facetten und macht zugleich die besondere Beziehung Ueckers zu Mecklenburg sichtbar. Von den Landschaften seiner Kindheit führte sein künstlerischer Weg zu den Küsten Flanderns, in die Wüsten Arizonas und Libyens, nach Island und an zahlreiche weitere Orte, an denen er den elementaren Kräften der Natur begegnete.
Einen besonderen Bezug zu Schwerin schaffen die vier Lichtbögen, die Uecker 2024 für den Schweriner Dom realisierte. Licht – selbst ein elementares Phänomen – wird hier zum künstlerischen Material und verbindet Natur, Raum und Spiritualität.
„Zwischen den Elementen“ zeigt damit nicht nur einen wichtigen Ausschnitt aus dem Werk eines der bedeutendsten deutschen Künstler der Nachkriegszeit. Die Ausstellung verdeutlicht vielmehr, wie konsequent Uecker die Grenzen zwischen Kunst und Leben, Mensch und Natur sowie Vergänglichkeit und Dauer hinterfragt hat.
Seine Kunst fordert den Betrachter auf, Natur nicht nur als Landschaft zu sehen, sondern als Kraft, Erfahrung und Lebensgrundlage. Zwischen Erde und Himmel, Wasser und Feuer entsteht ein Werk, das bis heute nichts von seiner poetischen und gesellschaftlichen Aktualität verloren hat.
Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern Günther Uecker
Johannes-Stelling-Str. 29
19053 Schwerin
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