Premiere: Markus Lüpertz für den CHIO Aachen

Veröffentlicht am 08. Juli 2019, aktualisiert am 01. August 2019 unter Aktuell, Aktuelles, Künstler, Kunstwerke, Markus Lüpertz

Exklusive Grafikeditionen von Markus Lüpertz für den CHIO Aachen 2019. Schon vor 6000 Jahren erkannte der Mensch die einzigartigen Eigenschaften von Pferden. Unter allen Tieren gelten sie als diejenigen mit dem größten Einfluss auf die menschliche Kultur. Sie wurden gezähmt und gezüchtet, vor Pflüge oder Kampfwagen gespannt – in vielerlei Hinsicht beflügelten die schnellen Reittiere den Handel und die Kommunikation. Diese weitreichende Bedeutung des Pferdes fasziniert Markus Lüpertz und inspirierte ihn dazu, sich künstlerisch mit dem Tier auseinanderzusetzen.

Durch seine Kunst vermittelt Markus Lüpertz sein unbedingtes Streben nach einem möglichst vollumfänglichen Bild über die menschliche Existenz. Mit jedem Werk taucht er tiefer in die Geschichte der Menschwerdung und die damit entstandenen mythischen Welten ein. In diesen spielt das Pferd eine herausragende Rolle, berichten doch antike Sagen von der griechischen Eroberung Trojas mit Hilfe eines hölzernen Pferdes oder von Zentauren, die halb Mann, halb Hengst, in den Gebirgen Arkadiens leben.

Markus Lüpertz nähert sich dem Pferd als Sujet aus dieser mythologischen Perspektive und nutzt die Optionen der Geschichte, das edle Tier sowohl in seiner ästhetischen als auch spirituellen Erscheinung zu visualisieren. Von größtem Anliegen ist ihm dabei, das Pferd in seiner Anatomie und seinen Bewegungen, aber auch in seinem ureigenen Naturell zu begreifen und dieses tief greifende Verständnis in ein Kunstwerk zu übertragen. Wie keinem anderen gelingt es Markus Lüpertz, seine persönliche Lesart des Phänomens Pferd mit den Mitteln der Grafik darzustellen.

  • Troja (Motiv 1) | 2019 | aus einer Serie von 5 Farblithografien | Motiv: 50 x 70 cm | Blatt: 61,3 x 81 cm | 20 Exemplare
    1.950 EUR | Foto: Jack Kulcke © Markus Lüpertz


Die Noblesse der Bewegung

Für die fünf für den CHIO Aachen entworfenen Farblithografien hat Markus Lüpertz das mythologische Arkadien als Schauplatz gewählt. Damit löst sich der Künstler von den rationalen Vorstellungen über das Leben und zeichnet das Pferd in seiner schönen Erscheinung in einen paradiesischen Ort auf Erden ein. Hier kann es sich in seiner freien Wesensart entfalten, was der Künstler durch die malerische Geste und pastellzarte Farbgebung vermittelt. Auf einem dieser Blätter stellt Markus Lüpertz einen Kentaur dar, um auf den mythologischen Kontext der Reihe zu verweisen und das reale Leben in das Licht der Utopie zu rücken.

Als scharfer Beobachter offenbart sich Markus Lüpertz durch die sechs schwarz-weiß lithografierten Pferdeskizzen. Diese Bilder wirken wie Studien, in denen die Bewegungen des Pferdes in verschiedenen Ansichten wiedergegeben werden. Den Körper des Tieres modelliert der leidenschaftliche Zeichner anatomisch korrekt mit nur wenigen, kräftigen Strichen. Wie keinem Zweiten gelingt es dem Künstler hier, die ungestüme Kraft des Pferdes mittels seines unverkennbaren Duktus zum Ausdruck zu bringen.

Jedem Bild, das unter seinen Händen entsteht, verleibt Markus Lüpertz eine unvergleichliche Atmosphäre ein. Dies gelingt ihm einerseits durch die künstlerische Interpretation des Motivs und andererseits durch den meisterhaften Einsatz der malerischen Mittel. Davon zeugen in besonderer Weise die vier Kaltnadelradierungen, in denen der Künstler ein behände trabendes Pferd abbildet. Hier bestimmt die Feinheit der Linie nicht nur die Leichtigkeit des Schritts, sondern die kräftigen Farben des Himmels auch die Stimmung, in der sich das Pferd bewegt.


Chio Aachen

Der Sage nach war ein Pferd für die Gründung Aachens verantwortlich: Im Sattel saß Karl der Große persönlich, als sein Ross einst mit den Hufen scharrte und heiße Quellen freilegte. An diesem Ort also gründete Karl seine Kaiserpfalz – der Ursprung Aachens. Wo sonst also könnte sich alljährlich die Elite des Pferdesports treffen? Beim CHIO Aachen treten die besten Pferdesportler der Welt um die prestigeträchtigen Preise für Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Vierspännerfahren und Voltigieren gegeneinander an. Über 350.000 Besucher strömen Jahr für Jahr zu den Wettkämpfen in der Aachener Soers. Damit ist der CHIO Aachen nicht nur Deutschlands größte Sportveranstaltung, sondern auch das größte Reitturnier der Welt. Wer Weltklasse-Sport in einmaliger Atmosphäre sucht, ist beim Weltfest des Pferdesports genau richtig.

 

Foto: Michael Dannenmann

Foto: Michael Dannenmann

Markus Lüpertz

Markus Lüpertz, 1941 in Liberec/Tschechien geboren, zählt zu den prominentesten deutschen Künstlern der Zeit. Weltweit ist der Maler, Bildhauer, Grafiker und Schriftsteller für sein Werk kaleidoskopischer Fülle bekannt. Wie keinem anderen gelingt es ihm, sich in neue Gedankenbilder einzulesen und einzuleben, um sie in einer eigenen künstlerischen Vision in die Welt zu vermitteln.

Von Dekade zu Dekade hat sich Markus Lüpertz immer wieder neu erfunden. Was bis heute verbindlich ist für sein Schaffen ist der Gegensatz von Abstraktion und Figuration – das Spiel zwischen Mythos und Wirklichkeit. Mit dem Medium der Druckgrafik befasste sich der Universalkünstler erstmals in den 1980er Jahren. Seitdem hat sich das grafische Werk neben seinen Gemälden und Skulpturen zu einem gleichberechtigten Standbein seiner Kunst entwickelt.

Markus Lüpertz lebt und arbeitet in Berlin, Düsseldorf und Karlsruhe.

 

 

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