HANDELSBLATT: Grenzen gesprengt

Veröffentlicht am 16. April 2018, aktualisiert am 03. September 2018 unter Aktuelles, Katharina Sieverding, Presse

Katharina Sieverding gilt als Pionierin der Fotokunst. Ihre Themen sind Gesellschaft, Identität und Geschlecht. Politische Statements und Großfotos sind ihr Markenzeichen.

HavannaSelbst in karibischer Hitze ist sie von Kopf bis Fuß in Schwarz gehüllt. Katharina Sieverding ist im November in Havanna, um in der Fototeca de Cuba eine Einzelausstellung zu zeigen. Beim Aufbau der speziell für Kuba konzipierten Schau muss improvisiert werden: Am Abend vor der Eröffnung sind die vorbereiteten Rahmen für die kleineren Fotoarbeiten aus der Museumswerkstatt verschwunden.

Doch Sieverding lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: „Dann hängen wir eben ohne Rahmen“, beschließt sie knapp, und nun muss der Düsseldorfer Galerist Till Breckner, der die Ausstellung organisiert hat, selbst ran und mit dem Zollstock auf die Leiter. Dann fällt auch noch das Licht aus, und Smartphone-Taschenlampen müssen herhalten, um rechtzeitig fertig zu werden.

Mit stoischer Gelassenheit reagiert Sieverding auf die widrigen Umstände, die manchen Künstler wohl in die Flucht getrieben hätten. Vor der Kuba-Erfahrung ehrte sie in der Bundeskunsthalle eine große Retrospektive mit dem Titel „Kunst und Kapital“, im Sommer wurde ihr der bedeutende Käthe-Kollwitz-Preis zugesprochen, momentan bereitet sie die Teilnahme an der Manifesta 12 in Palermo und ein Großprojekt im öffentlichen Raum in Düsseldorf vor.

Katharina Sieverding „Global Desire – Bahnhofsviertel Düsseldorf“, ein Projektentwurf für Juni 2018. (Foto: Katharina Sieverding, VG Bild-Kunst Bonn 2018)

Die Kuba-Schau ist dagegen vergleichsweise klein dimensioniert. Kein Grund für die international begehrte Foto-Pionierin, Havanna nur als kurzen Exotik-Trip zu behandeln.

Im Gegenteil, drei Wochen nimmt sie sich dort Zeit, ihr Partner – der Fotokünstler Klaus Mettig, dem in Havanna eine zweite Schau in der Casa-Guayasamin gewidmet ist – bleibt sogar sieben Wochen, denn: „Wir haben im Rahmen des Noviembre Fotografico diverse Eröffnungen besucht und sind mit den Künstlern ins Gespräch gekommen. Durch unsere Kuratorin Tereza de Arruda haben wir die Direktorinnen des Wilfredo-Lam-Centers kennen gelernt, beide sind künstlerisch verantwortlich für die Havanna Biennale, die 2019 zum 13. Mal stattfindet. Die Gespräche waren sehr interessant, und es war auffällig, wie gut alle generell über die internationale Kunstszene informiert sind.“

Sieverding ist auf Kuba wie immer stets mit ihrer kleinen Leica C-3 unterwegs: „Ich dokumentiere und protokolliere analytisch, analog und schwarz-weiß. Dabei handelt es sich aber nicht um eine kubanische Ausbeute, sondern eine sensible Berührung. Die Armut der Lebensbedingungen hinter der verfallenden Pracht ist erschütternd.“

Katharina Sieverding gilt als Pionierin der Fotokunst. Seit den frühen 1970er-Jahren arbeitet sie mit Großformaten und setzt, häufig in seriellen Arbeiten, ihr extrem vergrößertes und auf vielfältigste Weise manipuliertes Selbstporträt ein. Auch die Auseinandersetzung mit den Medien, speziell auch Film und Kino, spielen eine zentrale Rolle in ihrem Werk.

Lesen Sie hier den kompletten Artikel von Regine Müller im Handelsblatt

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