Kunsthalle Rostock: Günther Uecker – Huldigung an Hafez

Veröffentlicht am 17. Februar 2020, aktualisiert am 11. März 2020 unter Aktuelles, Ausstellungen, Günther Uecker, Termine

Die Erinnerung ist noch ganz frisch, als Günther Uecker seine Erlebnisse im Iran in ein einzigartiges Kunstwerk verwandelt. 42 Arbeiten widmet der Künstler seiner tiefen Verbundenheit zu diesem Land, das ihm fremd und doch vertraut, vor allem aber Inspiration ist. Dem Dichter Hafez von Schiraz setzt er ein künstlerisches Denkmal – zusammen mit Werken acht iranischer Künstlerinnen und Künstler vermittelt es zwischen Kulturen. Ab dem 22. März ist die Ausstellung „Huldigung an Hafez“ in der Kunsthalle Rostock zu erfahren.



Ausstellungseröffnung 22. März 2020, 18 Uhr
Grußwort von Bundespräsident a.D. Joachim Gauck
Laufzeit 22. März – 19. April 2020 | Kunsthalle Rostock


Günther Uecker schlägt Brücken zwischen zwei Welten

Günther Uecker (*1930) zählt zu den renommiertesten Künstlern der Nachkriegsgeneration weltweit. Auch gilt er als bedeutendster lebender Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern. 2020 rufen die Museen in seinem Bundesland das Uecker-Jahr aus, denn am 13. März feiert der Künstler seinen 90. Geburtstag.

Dem Iran, der Wiege der Menschheit, fühlt sich Günther Uecker schon seit Jahren tief verbunden. Auf seinen Reisen durch das Land begegnet er nicht nur atemberaubender Natur, sondern vor allem der Offenheit der Menschen. Sie sind es, die ihn nachhaltig inspirieren. Insbesondere, weil sie das Erbe der persischen Dichtkunst ganz selbstverständlich in die Zukunft tragen. Gemeint sind die bildkräftigen Verse von Hafez (um 1315–1390), die, weit mehr als 600 Jahre alt, nichts an Aktualität eingebüßt haben. Denn sie handeln von Liebe und Sehnsucht, von Frieden und Trennung, vom Genuss des irdischen Lebens, aber auch von Religiosität – alles Dinge, die auch den heutigen Menschen bewegen und deshalb leicht über die Lippen gehen.

Zwei Jahre lang arbeitet Uecker an seiner Interpretation dieser zutiefst menschlichen Gedichte. Das Ergebnis zeigt sich in 42 druckgrafischen Arbeiten – darunter 31 Siebdrucke, sechs Sanddrucke und fünf Prägedrucke, die den Geist des Erlebten, Gelesenen und Gehörten in einer überwältigenden Bildsprache vermitteln. „Sobald ich lese, muss ich auch malen“, erklärt Uecker die intuitive Kraft dieser vom Klang der Poesie erfüllten Werke. Vollständige Ghasele (Gedichte eines bestimmten Reimschemas) aus dem Divan von Hafez zieren einige dieser Blätter, allen ist die dynamische Geste gemein. Auf Farsi und Deutsch sind ausgewählte Verse zu lesen, vor den “[…] Farben des Landes, das Uecker in den Bann zog“, wie Annette Bosetti 2016 schreibt.

Goldglänzendend peitscht Sand durch die Lüfte, fruchtfarben scheint kräftig was blüht, ein Sturm zieht hell in die Lande
– es zeigt sich unbändig Natur.

Seit 2016 reist die Ausstellung „Huldigung an Hafez“ durch alle Teile Irans. Bisher hat sie in sieben Städten Station gemacht: in Schiraz, Teheran, Isfahan, Kerman, Maschhad, Rascht, Buschehr und auf der Insel Kisch. An jedem dieser Orte haben sich bekannte, einheimische Künstler*innen von Ueckers einzigartigem Kunstwerk inspirieren lassen und je ein Exponat zu der Ausstellung beigetragen, das sich mit dem Divan von Hafez beschäftigt. Durch diese außergewöhnliche Zusammenarbeit ist die Ausstellung während ihrer Reise durch Iran stetig gewachsen und hat sich zu einem Projekt der Völkerverständigung entwickelt. Neben Werken von Günther Uecker werden auch Arbeiten von Morteza Tarassoli (Schiraz), Mohammad Reza Yazdi (Teheran), Ali Mahboobi Sufiyani (Isfahan), Shahriyar Rezayi (Kerman), Babak Montazeri (Maschhad), Arefeh Arad (Rascht), Farzad Dashtizadeh (Buschehr) und Nedasadat Ayati (Kisch) zu sehen sein.


Deutsch-iranischer Kulturaustausch

Mit seiner Kunst öffnet sich Günther Uecker der Welt. Deshalb macht er schöpferische Werke fremder Kulturen schon seit vielen Jahren zum Gegenstand seiner Kunst. Insbesondere in dem Mittel der gesprochenen und geschriebenen Sprache findet er Inspiration für seinen einzigartigen, künstlerischen Ausdruck. Für seine erste Ausstellung „Verletzungen – Verbindungen“ im Iran 2012, wählt er beispielsweise 120 Verben aus dem Alten und Neuen Testament, aus dem Koran und anderen ausgewählten Schriften aus, um sie zum Verhandlungsthema seiner sogenannten „Verletzungswörter“ zu erheben. Dafür kalligrafiert er jedes einzelne ausgewählte Wort, das eine Verletzung des Menschen durch den Menschen beschreibt, in der Landessprache Farsi auf Papier und arrangiert diese Blätter mit Skulpturen wie Foltergeräten zu einer Rauminstallation. „Diese Werke beinhalten Assoziationen zum Christentum, Judentum, Buddhismus und Islam, mit denen ich bildhaft, stammelnd zum Ausdruck bringen will, dass es kultische und kulturelle Zusammenhänge gibt“, wie Günther Uecker in einem Interview in Die Welt erläutert.

Günther Uecker, Motiv 31 aus Huldigung an Hafez, 2015

Diese kultischen und kulturellen Zusammenhänge macht Günther Uecker auch in seiner „Huldigung an Hafez“ offenbar. Uwe Neumann, Direktor der Kunsthalle Rostock, sieht in der anstehenden Ausstellung daher auch „eine gute Gelegenheit für den kulturellen Austausch mit dem Iran und seinen Künstlern.“


Zur Ausstellung erscheint eine Neuauflage des mittlerweile vergriffenen Kataloges „Günther Uecker. Huldigung an Hafez“.


Günther Uecker. Huldigung an Hafez

Ausstellungseröffnung 22. März 2020, 18 Uhr
mit einem Grußwort von Bundespräsident a.D. Joachim Gauck
Laufzeit 22. März – 19. April 2020 | Kunsthalle Rostock, Hamburger Straße 40, 18069 Rostock

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

In Kooperation mit:
Staatliches Museum Schwerin
UECKER 90
Ausstellung vom 21.2. bis 1.6.2020

Dom zu Schwerin
Gottesdienst mit Domprediger Volker Mischok in der Thomaskapelle zum biblischen Vers: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein…“, (Joh 8,7) unter Betrachtung des Werks von Günther Uecker „Wer wirft den ersten Stein“.
Sonntag, 15.3.2020 um 10 Uhr

Landesbibliothek MV „Günther Uecker“
Das Buch Hiob. Arbeiten von Günther Uecker und Udo Rathke
Ausstellung vom 27.3. bis 30.5.2020
Eröffnung am 26.3.2020 um 19.30 Uhr

UECKER IN SCHWERIN e.V.
Einweihung des Günther Uecker Forschungsinstituts, Schwerin mit einer Festveranstaltung und Vorträgen der ersten drei Schweriner Uecker-Stipendiatinnen in Anwesenheit des Künstlers. (Der Termin wird in Absprache mit Günther Uecker bekanntgegeben)
neubau-uecker-schwerin.de

Ostseebad Rerik
22.3.2020 ab 15 Uhr im Haus der Begegnung Kösterschün:
Michael Kluth stellt das Buch Poesie der Destruktion vor, anschließend Vorführung des gleichnamigen Films, Besichtigung der Uecker-Ausstellung in der Kösterschün und der von Uecker gefertigten Glocken in der St. Johannes Kirche

Abb.: Günther Uecker, Imam Ali Religious Arts Museum, Teheran 2015 | Foto: Maryam Tajrishi

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