Jeff Koons im Handelsblatt

Die pralle Lebensfreude

Jeff Koons ist der teuerste lebende Künstler. Damit sich nicht nur Supersammler mit eigenem Museum seine glänzenden Skulpturen leisten können, gibt er Editionen heraus. Das Handelsblatt bietet den „Balloon Dog“ exklusiv in einer Porzellanauflage an.

Ein Hund auf dem Präsentierteller - „Balloon Dog (Magenta)“ aus Porzellan: Entscheidend ist die spiegelnde Oberfläche, weil sie den Betrachter einbezieht. Quelle: Ivo Faber/Breckner

Ein Hund auf dem Präsentierteller – „Balloon Dog (Magenta)“ aus Porzellan: Entscheidend ist die spiegelnde Oberfläche, weil sie den Betrachter einbezieht. Quelle: Ivo Faber/Breckner

Düsseldorf. Schlagzeilen liebt der amerikanische Künstler Jeff Koons – weiß er doch deren Werbeeffekt zu schätzen. Erregungspotenzial hat vor allem die Skulpturengruppe „Jeff and Ilona (Made in Heaven)“. Sie zeigt den Künstler lebensgroß beim Liebesakt mit seiner Ex-Frau Ilona Staller, dem Pornostar, der in Italien Politik gemacht hat. Für seine Kritiker geht es dabei um reine Selbstdarstellung, für Koons’ Verehrer um Kunst, die befreit.

„Manche Menschen akzeptieren sich nicht als sexuelles Wesen. Aber kein Leben ohne Sex. Und die Selbstakzeptanz ist die Grundlage für jede Transzendenz“, sagte Jeff Koons dem Handelsblatt anlässlich seiner Ausstellung in Frankfurt vor vier Jahren.

Schlagzeilen machen indessen regelmäßig Koons’ Auktionsrekorde. Der heute 61-Jährige, konnte Gerhard Richter als teuersten lebenden Künstler ablösen. 2013 verbuchte Christie’s den Weltrekordpreis von 58,4 Millionen Dollar für die orangefarbene Variante der großen „Balloon Dog“-Skulptur. Ihre Form erinnert an einen banalen Luftballon, der mit ein paar Kniffen die Gestalt eines aufmerksamen Hundes annehmen kann.

Egal, was Koons’ stets gegenständliche Skulpturen darstellen, Lebensbejahung und Lebensenergie sind der Kern seines Œuvres. Diese Vitalität spricht viele Supersammler an, unter anderem den französischen Geschäftsmann François Pinault, den griechisch-zypriotischen Großunternehmer Dakis Joannou, der sogar seine Luxusjacht von Jeff Koons bemalen ließ, oder die Prada Foundation.

Mit Zahnarztbesteck auf Hochglanz poliert

Die bis zu drei Meter hohen Edelstahlskulpturen, deren makellose Oberfläche in einem aufwendigen Verfahren gefärbt, verspiegelt und mit Zahnarztbesteck in einem thüringischen Betrieb auf Hochglanz poliert wird, sind nicht einfach so zu kaufen. Es gibt sie in nur wenigen Exemplaren. Meist ist schon vor dem mühsamen Entstehungsprozess klar, welcher Megasammler welche Farbvariante der Tulpen, Hunde oder Venus-Figuren kaufen wird. Mit ihren ein- und zweistelligen Millionenbeträgen kommen die schillernden Stahlskulpturen von Jeff Koons ohnehin nur für die „happy few“ infrage.

Jeff Koons als Gentleman - Der Künstler und die Handelsblatt-Redakteurinnen Nicole Bastian (r.) und Susanne Schreiber nach einem früheren Exklusiv-Interview in Frankfurt. (Foto: Bert Bostelmann / Bildfolio für Handelsblatt)

Jeff Koons als Gentleman – Der Künstler und die Handelsblatt-Redakteurinnen Nicole Bastian (r.) und Susanne Schreiber nach einem früheren Exklusiv-Interview in Frankfurt. (Foto: Bert Bostelmann / Bildfolio für Handelsblatt)

Koons ist aber stets auch an einer größeren Gefolgschaft interessiert. Darum hat der Weltruhm genießende Künstler eines seiner Hauptwerke, den „Balloon Dog“, in einer verkleinerten Porzellanversion als limitierte Edition in den Farben Orange und Magenta herausgebracht. Das Handelsblatt und die Galerie Breckner bieten sie exklusiv im deutschsprachigen Raum an. Der charakteristische Luftballon-Hund ist hier knapp 30 Zentimeter groß, aus Porzellan geformt und steht auf einem metallplattierten Teller.

Welche Überlegungen den Künstler bei diesem an ein Readymade erinnernden Alltagsgegenstand geleitet haben, darüber gibt Koons Auskunft im Baseler Katalog der Fondation Beyeler: Der Hund „erinnert an ein Ballontier, wie es vielleicht ein Clown bei einem Kindergeburtstag hervorzaubert. Gleichzeitig hat er die geheimnisvolle Tiefe einer archaischen Skulptur.“

Glanz als Transportmittel für Sehnsüchte

Wie bei den drei Meter hohen Skulpturen sind auch für die Edition Farbe und Glanz entscheidend. Jeff Koons: „Die Außenhaut ist extrem reflektierend.“ Das heißt, der Kunstfreund sieht sich selbst und setzt sich auf diese Weise in Bezug zu dem Kunstwerk. Der Spiegeleffekt „bestätigt den Betrachter ständig in seiner Existenz“. Für Koons ist der Glanz ein Mittel, unsere Gedanken, Sehnsüchte und Wünsche in die Kunst hineinzutragen.

„Die makellose Oberfläche wirkt wie eine Erlösung, nicht nur vom Gewicht, sondern vor allem vom Schmutz der Welt – als materieller Vorschein eines Unirdischen und womöglich Überirdischen.“ So interpretiert der renommierte Kunsthistoriker Walter Grasskamp im Katalog der Frankfurter Koons-Ausstellung den Oberflächenglanz.

Koons hat ein Faible für handwerkliche Präzision

Erlöst von allem Schmutz dieser Welt - Jeff Koons riesengroßer 'Balloon Dog' (1994-2000) 2008 im neu eröffneten The Broad Contemporary Art Museum (BCAM) in Los Angeles. Quelle: Ted Soqui (Foto) Corbis Entertainment/Getty Images (Foto: Corbis Entertainment/Getty Images)

Erlöst von allem Schmutz dieser Welt – Jeff Koons riesengroßer ‘Balloon Dog’ (1994-2000) 2008 im neu eröffneten The Broad Contemporary Art Museum (BCAM) in Los Angeles. Quelle: Ted Soqui (Foto) Corbis Entertainment/Getty Images (Foto: Corbis Entertainment/Getty Images)

Der Privatmann Koons ist stolzer Vater von acht Kindern. „Kinder betrachten die Welt immer, ohne sie zu beurteilen“, lobt er deren offenen Blick. Diese Unvoreingenommenheit hat sich der Künstler selbst erhalten. Nur so kann er, der privat Alte Kunst sammelt, Alltagskitsch, Alte Meister und antike Skulpturen gleichermaßen schätzen. „Ich möchte, dass der Betrachter seine Gefühle entdeckt, wenn er vor meinen Bildern oder Skulpturen steht“, hob Koons im Handelsblatt-Interview hervor.

Herausforderung an die Sinne. Die komplette Porzellan-Serie in Orange, Magenta und Gelb. Quelle: Koons/Breckner

Herausforderung an die Sinne. Die komplette Porzellan-Serie in Orange, Magenta und Gelb. Quelle: Koons/Breckner

Porzellan hat der Amerikaner mit dem Faible für handwerkliche Präzision nicht nur gewählt, weil es in hoher Stückzahl ausformbar ist. „Einst fand sich das kostbare Material nur auf dem Tisch des Königs“, erklärt Koons. „Heute haben wir alle Porzellangeschirr. Das ist eine Demokratisierung des Materials.“

Vor drei Jahren hatte Koons nicht Porzellan, sondern Harz eingesetzt, um einem großen Publikum den Zugang zu seiner „Balloon Venus (Magenta)“ zu ermöglichen. Die ursprünglich 2,60 Meter hohe Edelstahlfigur aus schwellenden Formen geht auf die archaische, schwangere „Venus von Willenberg“ zurück.

Für den Champagnerproduzenten Dom Pérignon ließ der Künstler, der stets mit vielen Mitarbeitern und Spezialisten zusammenarbeitet, die üppige Venus 2013 verkleinern und als aufklappbare Box für den Rosé-Vintage-Schampus gestalten. Ohne Mehrwertsteuer lag der Verkaufspreis bei 15.000 Euro. Der Onlineversteigerer Auctionata konnte 2015 die pinkfarbene Champagner-Umhüllung für hohe 68.750 Dollar brutto versteigern. Die bereits 1995 und 2002 aufgelegten „Balloon Dogs“ in rotem und blauem Porzellan erzielten zuletzt Auktionspreise von 42.000 und 22.000 Dollar.

Wer mit Koons über die „Balloon Dogs“ spricht, hört, dass die Motivwahl von der Lebensfreude, der Unvoreingenommenheit und Leichtigkeit herrührt, die Kindern zu eigen ist. Es dürfte indessen aber noch ein Argument hinzukommen. Koons kennt es, denn schließlich besitzt er eine stattliche Sammlung Alter Meister: Der Hund ist von alters her auch ein Symbol der Treue.

 

Lesen Sie auch hier diesen interessanten Artikel über Jeff Koons im Handelsblatt, von Susanne Schreiber.

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