RP Online: Glücksgefühle im Schauspielhaus

Düsseldorf. Was für ein schöner Abend für Wilfried Schulz: “Wir sind im Schauspielhaus angekommen, und wir bleiben auch eine ganze Weile drin!”

Die Premiere von Robert Wilsons Inszenierung “Der Sandmann” ist vorbei, die Gäste plaudern angeregt im Foyer und draußen vor der Tür zum Hofgarten. Sie schwärmen von dem glänzenden Ensemble und den magischen Bildern, die der Theaterzauberer Wilson entfacht hat. Der Intendant macht seinem Herzen Luft: “Dieses großartige Stück bleibt im Repertoire, so lange Sie mögen. In diese besondere Arbeit sind alle Kräfte des Hauses eingebunden. Ohne den heldenhaften Einsatz der Technik, ohne die wunderbaren Leute aus Maske, Ton und Licht wäre sie nicht möglich.”

Dann stellt er die zehn fabelhaften Schauspieler und Sänger um Rotschopf Christian Friedel und die grandiose Rosa Enskat vor. Sie machten Wilsons Visionen zu dem Literaturklassiker lebendig und schmeichelten sich mit den Songs von Anna Calvi in die Ohren. Die britische Musikerin, klein und zierlich, verbeugt sich auf der Bühne unter rauschendem Beifall und singt bei der Zugabe mit.

Lange vor Beginn der Vorstellung hatte sich das ausverkaufte Schauspielhaus gefüllt, das ja eigentlich wegen der benachbarten Großbaustelle gesperrt ist, für diese Inszenierung aber ausnahmsweise wieder zum Leben erwachte. Als ob die Besucher jede Minute auskosten wollten – endlich wieder daheim. “Es ist so schön, ich mag das Haus unglaublich gern”, sagte Minna Wündrich. Ihre Stimmung sei “eine Mischung aus Vorfreude und blutendem Herzen. Man stellt sich vor, wie es wäre, hier zu spielen.” Auch ihre Ensemble-Kollegen Claudia Hübbecker und Moritz Führmann hatten Sternchen in den Augen. Bernd Plöger, Düsseldorfer auf Heimaturlaub und Leiter des Jungen Theaters Hof, schaute sich staunend um: “Wie früher! Alles ist sofort wieder da.” Michael Strahl, Vorsitzender des Freundeskreises: “Einmal drin, gehen wir nicht mehr raus.” Ex-Intendant Günther Beelitz umarmte seinen Nachfolger und überlegt: “Wir sind ja durch die Hintertür gekommen. Vielleicht wird sie zur Vordertür, man müsste nur die Anfahrt verändern.”

Intendant Wilfried Schulz (links) und Regisseur Robert Wilson feiern nach der Premiere von "Der Sandmann" im Foyer. Es ist die erste Premiere für den Intendanten in dem Haus am Gründgens-Platz, das eigentlich wegen Bauarbeiten gesperrt ist. FOTO: Sebastian Hoppe

Intendant Wilfried Schulz (links) und Regisseur Robert Wilson feiern nach der Premiere von “Der Sandmann” im Foyer. Es ist die erste Premiere für den Intendanten in dem Haus am Gründgens-Platz, das eigentlich wegen Bauarbeiten gesperrt ist. FOTO: Sebastian Hoppe

Es gibt viel Lob für Wilfried Schulz. Ausstellungsmacher Markus Ambach: “Wie geschickt er während der Bauzeit verschiedene Spielorte integriert.” Regisseur Sönke Wortmann: “Ich bin begeistert von der Spielzeit, schaue mir alles an. Wilsons Umgang mit Licht ist eine Kunst.” Bei der Künstlerin Katharina Sieverding verbinden sich zwei Aspekte: “Hiermit unterstütze ich die Beschleunigung der erneuten Eröffnung”, sagt sie. “Außerdem kenne ich Robert Wilson sehr gut.” Wie übrigens auch Lutz Förster, künstlerischer Leiter am Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch. “Zwei Mal durfte ich mit ihm arbeiten. Mit seiner Fantasie beflügelt er meine Fantasie.” Sehr spät am Abend greift dann auch Robert Wilson selbst zum Mikrofon, wartet ab, bis es im Foyer mucksmäuschenstill wird. “Ich wuchs in einer Kleinstadt in Texas auf”, fängt er an. “Ohne Theater. Wie glücklich Sie sind, ein Haus wie dieses zu haben! Wir brauchen Stätten, wo wir zusammenkommen, um für bestimmte Zeit etwas zu teilen und gemeinsam zu atmen.” Man spürt seine Emotion. “Wir müssen einander zuhören. Noch wichtiger ist, dass wir Spaß haben. Wer nicht lachen kann, sollte kein Theater machen.” Regina Goldlücke

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