General-Anzeiger: Ausstellung von Künstler Markus Lüpertz in Siegburg eröffnet

SIEGBURG. Der Malerfürst Markus Lüpertz hat am Sonntag seine Ausstellungen im Katholisch-Sozialen Institut auf dem Michaelsberg und im Siegburger Stadtmuseum eröffnet – und sich dabei als Universalkünstler präsentiert.

Der Künstler legt Hand an: Markus Lüpertz wienert im KSI eine seiner Skulpturen. Foto: MEIKE BÖSCHEMEYER

Der Künstler legt Hand an: Markus Lüpertz wienert im KSI eine seiner Skulpturen. Foto: MEIKE BÖSCHEMEYER

Es hat schon etwas von einer Prozession, als am Sonntag Scharen auf den Michaelsberg pilgern. Nicht etwa zu einer Messe, sondern um ein künstlerisches Hochamt zu erleben. Markus Lüpertz, ein Star der Gegenwartskunst, hat sich angekündigt, um seine beiden Ausstellungen im Katholisch-Sozialen Institut (KSI) und im Stadtmuseum nacheinander zu eröffnen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem grafischen Werk.

Das Europaforum des KSI ist wie auch das Stadtmuseum mit jeweils 200 Gästen voll besetzt. Sie alle wollen den oft als „Malerfürst“ titulierten Lüpertz aus der Nähe sehen – vielleicht auch in der Hoffnung, den ein oder anderen markigen Spruch zu hören. „Ich bin ein Meister, der vom Himmel gefallen ist“, hatte der Maler, Bildhauer und Grafiker vorab in einem GA-Interview gesagt. Das Großspurige, die Hybris, die Ironie – all das gehört zum Stil des 76-Jährigen, ebenso wie sein feines Gewand und die Aura des großen Meisters, mit der er sich umgibt.

Lüpertz zeigt sich humorvoll, eloquent und zugänglich

Im KSI stellt er sich bei einer Talkrunde den Fragen von Dominik Meiering, Generalvikar beim Erzbistum Köln. Da zeigt sich Lüpertz humorvoll, eloquent und zugänglich – vor allem aber als Vertreter eines klassischen Kunstverständnisses, der Wert auf handwerkliches Können und Bildung legt. Das waren denn auch Prinzipien, die er als Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie von 1986 bis 2009 hochhielt. Wie auch eine klassische Meister-Schüler-Rollenverteilung: „Ich habe meine Schüler geduzt und mich siezen lassen. Ich habe sie auch zum Bier holen geschickt – wobei ich das Bier natürlich selbst bezahlte.“

Kunst sei mehr als nur ein Studium, sagt er. Die Akademie müsse eine „Genie-Schmiede“ sein. „Der liebe Gott hat die Maler erfunden, damit sie die Welt erklären.“ Ein Ideal, das aufgeweicht werde – etwa dann, wenn künstlerische Arbeit nur noch aufs Karrieremachen ausgerichtet sei. Zugleich habe es die Malerei zunehmend schwer, ihren Platz zu behaupten, angesichts des allgegenwärtigen Bilderrauschens, das heutzutage jedermann mit der Fotografie produziert.

 Der Betrachter von Kunst benötigt eine solide Basis

Dementsprechend benötigt Lüpertz zufolge auch der Betrachter von Kunst eine solide Basis: Bildung, aber auch Empathie, Glaube, Vertrauen, ein Verständnis für Ästhetik. Das sind Ebenen, auf denen der konvertierte Katholik Lüpertz und der Kunsthistoriker Meiering denn auch Gemeinsamkeiten feststellen. Aber Lüpertz wäre nicht Lüpertz, wenn er der Kirche nicht noch deutliche Worte mitgeben würde: „Ich vermisse die großen, philosophischen Predigten.“ Da sei es doch klar, dass immer weniger Menschen in die Kirche gehen würden.

Die Ausstellung im KSI heißt „Hirte“, die im Museum „Michael Engel“. Die doppelte Schau, zu der ein umfassender Katalog über das grafische Werk erschienen ist, läuft bis zum 4. März. Bis dahin sieht man im Kreuzgang der Abtei großformatige Blätter aus dem Zyklus „Mykenisches Lächeln“. Ihnen stehen Skulpturen gegenüber. Ironisch wienert der Künstler im Vorbeigehen seine knubbelig-torsohaften Gestalten mit einem Taschentuch, sehr zur Überraschung der Besucher. Düster und rätselhaft, so präsentiert sich Lüpertz‘ Werk mitunter. „Toscana“, eine 2016 entstandene Lithografie-Reihe im Stadtmuseum, wirkt betont grau und karg. Meist im Vordergrund: ein Totenkopf.

Grafische Werke und Skulpturen

An anderer Stelle ist eine Krähe in drei Fassungen zu sehen, in unheilschwangerer Atmosphäre in Szene gesetzt. Der titelgebende „Michael Engel“, eine 20-teilige Serie , nimmt das Torsohafte, Unvollendete von Lüpertz‘ Skulpturen auf. Auch im Stadtmuseum sind Figuren den grafischen Werken entgegengesetzt, so zum Beispiel der „Maler Genius“. Dieter Ronte, früherer Direktor des Kunstmuseums Bonn, würdigt Lüpertz‘ Arbeiten als „Ikonographie ohne didaktischen Zeigefinger“. Sein Werk habe herausfordernden Charakter, der Betrachter müsse es jeweils für sich selbst vollenden. Simple Antworten? Fehlanzeige.

In Siegburg präsentiert sich Lüpertz zudem als Universalkünstler. Während er sich im Stadtmuseum bei einer Lesung von seiner poetischen Seite zeigt, spielt er im KSI mit der Formation TTT Jazz. Während er kraftvoll den Flügel bearbeitet, gehört die Bühne allerdings mehr den anderen Musikern – darunter die Altmeister Manfred Schoof (Trompete) und Gerd Dudek (Saxofon).

Für KSI-Direktor Ralph Bergold und Bürgermeister Franz Huhn waren die „Lüpertz-Festspiele“ (Ronte) höchst erfreulich: Sie sind zufrieden mit der Kooperation. „Davon geht eine Strahlkraft für die ganze Region aus“, so Huhn.

Hirte
21. Januar bis 4. März 2018
Katholisch-Soziales-Institut
Bergstr. 26
53721 Siegburg

Michael Engel
21. Januar bis 4. März 2018
Stadtmuseum Siegburg
Markt 46
53721 Siegburg

Lese Sie diesen interessanten Artikel vom 21.01.2018 von Dominik Pieper auch direkt beim General Anzeiger.

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